Chinesisches Meer
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Mit der CoWNS im südchinesischen Meer

Auszug aus den via Standard C übermittelten Nachrichten von der Etappe Hong Kong – Singapore

(Mit geringfügigen Änderungen)

 420322110 04141250 1953.36N 11243.12E 234007Die City of Wiener Neustadt ist wieder unterwegs! Jetzt im Nordteil des Südchinesischen Meeres, von Hongkong, vorbei an der chinesischen Südküste und Vietnam, 1.550 sm nach Süden. Unser derzeitiges Ziel sind die Paracel Islands, wo wir dann unseren Kurs ändern werden auf Pulau Aur und weiter auf Horsburgh Light House in der Einfahrt der Straße von Singapore.

Direkt unter der berühmten Skyline von Hong Kong (Victoria), im Royal Hong Kong Yacht Club, ist die CoWNS an einer Mooring-Tonne, fast zwischen den Wohn-Dschunken, gelegen. Der YC, der die einstige Eleganz und Noblesse der Britischen Club Members nur noch erahnen läßt, liegt im Central Typhoon Shelter, direkt über dem Central Harbour Tunnel, der die Insel Hong Kong mit dem Festland Kowloon verbindet.

 

Sonntag, 13.4.97, 1100 LT, verläßt die CoWNS den gastlichen RHKYC und läuft unter Maschine 8 sm zur Startlinie, die sich westlich des Leuchtfeuers Tai Long Pai bis zum Rand der Tathong Channel Trennzone erstreckt.

Gesteuert in bewährter Manier von Ruderlady Petra, geht die CoWNS drei Sekunden nach dem Schuß um 1300 als zweite über die Startlinie; beim Startschiff gibt es etwas Gedränge, eine zarte Kollision und Proteste der drei deutschen Jachten untereinander. Wir haben unterdessen den Spi gesetzt und sind beim Passieren von Waglan Island bereits an der Spitze des Feldes. Das Wetter läßt leider etwas zu wünschen übrig: Es gibt wenig Wind, starken Dunst oder sogar Nebel, dazwischen etwas Regen, jedoch bei über 20°C. Der Nordost Monsun hat leider seine Beständigkeit verloren, die Lage ist instabil, über dem Nordteil des Südchinesischen Meeres liegt eine stationäre Kaltfront.

Inzwischen ist an Bord die Routine eingekehrt. Die Crew besteht diesmal aus 12 Personen, nach der äußerst anstrengenden Fahrt von Japan bei sehr schlechtem Wetter mit der kleinen Crew von acht Personen eine Erleichterung für die abgekämpfte Stamm-Crew. Als Bootsmann ist der vielfach bewährte Markus Schlesinger an Bord, die erste Wache führt Florian Baumgartner mit Greta Huter, Sigrid Sangl, Franz Brodowicz und Viktoria Kotnig, die zweite Wache sind Petra Kliba als Wachführer mit Ursula Heer, Tina Schwarz, Kate Amy und Thomas Wallentin. Die Ehre zu skippern wurde mir von Andreas Hanakamp zuerkannt.

Über Nacht fahren wir unter Spi, allerdings keine rauschenden Geschwindigkeiten, dafür immer wieder im Regen. Am Montag machen wir dann auch mit den berüchtigten Arc Squalls erstmals Bekanntschaft, Starkwind Böen mit sehr starkem Regenguß, die sich durch einen deutlich ausgeprägten Wolkenbogen über dem Horizont ankündigen.

 

Heute um 1400 Bordzeit gab es den ersten Roll Call, bei dem alle Boote ihre Situation und Position über SSB der Regattaleitung melden. Selbstverständlich werden alle Angaben genau mitgeschrieben und anschließend gezeichnet: Heute war die CoWNS an dritter Stelle, mit 3, 4 sm knapp hinter den führenden Jachten MOL und Hamburg.

Nach dem letzten Arc Squall weht der Wind jetzt etwas gleichmäßiger mit Stärke 4, aber leider ungünstig aus Südost. Bei Kurs 225° laufen wir unter Ge 1 (H) und Groß etwa 7 - 8 Knoten, auf die chin. Insel Hai Nan Dao, vor dem Golf von TongKing, zu.

 

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12:42 1997-04-14

Während ich hier schreibe hat es vollständig aufgeklart, ein strahlender, schon fast halber Mond und der Komet Hale Bopp begleiten uns durch Süd-Ost Asien.

 

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Endlich - wieder eine Info aus dem chinesischen Meer!

Unter strahlendem Mondlicht fahren wir den Sternbildern des Suedhimmels entgegen. Es ist warm, die Sicht gut, der Himmel klar. Bisher haben wir 623 sm hinter uns, ca. 900 trennen uns vom Ziel. Von der Vietnamesischen Kueste sind wir jetzt noch etwa 80 sm entfernt, wir planen, uns auf etwa 60 sm zu nähern. Die Gewitter der vergangenen Nächte scheinen jetzt vorbei. Mit Suedostwind, zwischen 8 und 12 kn wechselnd, koennen wir unser Ziel bei etwa 7 kn Fahrt direkt anliegen.

Wir hatten uns bereits zu Beginn entschlossen, etwa der traditionellen Segelschiffroute von Hong Kong in den Indischen Ozean zu folgen und haben uns dann aufgrund der Windverhaeltnisse (Suedwind) fuer einen westlichen Weg entschieden. Bombay Reef, ein bei Springniedrigwasser trockenfallendes, 10 sm langes Riff der Paracel Islands, haben wir letzte Nacht in ca. 8 sm Distanz passiert. Vor zwei Tagen hat der Wind auf SE gedreht und ist uns treu geblieben. Beim letzten Roll Call war die CoWNS in der Breite zweite hinter Mol, aber 50 sm weiter oestlich als die oestlichsten Jachten, 100 sm oestlicher als Danzig und Bremen, die schon sehr knapp unter der Kueste von Vietnam segeln. Wir hoffen, die Kueste von Vietnam ohne einen Holebug passieren zu koennen, was einigen Gegnern wahrscheinlich nicht gelingen wird.

Boot und Crew sind ok, Probleme derzeit nicht in Sicht.

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Kurze Statusmeldung: Sa, 19.4., 0630 Bordzeit Wetter schoen und warm, Wind 8 - 12 kn, S bis SE, CoWNS ok, Crew wohlauf. Segeln parallel zur Küste Vietnams, Abstand ca. 40 sm. Wir planen diesen Abend die Breite Saigons (Ho Chi Min) zu passieren und Vietnam zu verlassen. Dann koennen wir endlich auf das Suedblatt der Seekarte wechseln! Wechseln uns mit Hamburg die zweite Position, ca. 40 sm hinter Mol, immer wieder ab, sind aber noch immer am weitesten in Luv.

19:31 1997-04-18 420322110 04182234 1133.72N 10944.78E 201005

 

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Neue Nachrichten aus dem Suedchinesischen Meer!

Sonntag, 20.4.97, ca. 1645 BZ

08:43 1997-04-20 420322110 04200843 0931.17N 10850.06E 209004

Die instabile Wetterlage ist unveraendert und beschert uns leichte (bis keine) Winde aus SE-lichen Richtungen. Leider sind wir viel langsamer als erwartet, das Wetter ist aber sonnig und heiss!! Unsere Obst-, Gemuese- und Wasservorraete naehern sich dem Ende, es gibt aber ausreichend Konserven, Nudeln - und Vitamintabletten. Die Meerwasser-Entsalzungsanlage, die uns ab jetzt mit Trinkwasser versorgen wird, haben wir heute in Betrieb genommen – sie funktioniert einwandfrei. Im Geschmack ist das Wasser vom chinesischen Mineralwasser, das wir in 40 5l-Flaschen gebunkert (und bereits verbraucht) hatten, nicht zu unterscheiden.

Unsere Taktik, uns weit im Osten zu halten und um die Hoehe zu kaempfen, ist voll aufgegangen! Der Kueste Vietnams haben wir uns nicht mehr als 30 sm genaehert, waehrend unsere Gegner zum Teil bis 10, 15 Meilen unter Land gegangen sind (und deshalb auch wenden mussten).

Der gestrige Roll Call brachte dann die Bestätigung: 20 sm hinter Mol (nach ca. 850 gesegelten Meilen), 13 sm vor Hamburg, das war mit unserem Rating die Fuehrung! Leider ist es dann ueber Nacht nicht mehr ganz so gut gelaufen, Hamburg hat aufgeholt, Mol ist wieder davongegangen, allerdings beide weiter im Westen. Waehrend wir Poulo Sapate, eine Insel, dem Vietnamesischen Festland etwa 70 sm auf der Hoehe der Tien Kiang (Me Kong) Muendungen vorgelagert, praktisch ohne Wind stundenlang zu passieren versuchten, hatten die anderen mehr Glueck und fuhren. Allerdings ist es nicht fuer alle so gut gelaufen: Den Vorsprung auf Bremen, Danzig, Maiden konnten wir auf etwa zwei Breitengrade (120 sm) verbessern. Der leichte Wind hat dann auf Ost gedreht und wir sind derzeit bei grosser Hitze unter Spi (0,5 Runner) unterwegs. Heute Mittag war fuer uns (außer grosser Hitze) ein besonderer Mittag: Zum ersten Mal hat die Sonne im Norden kulminiert!

 

Unser naechster Wegpunkt ist Horsburgh Lighthouse, in der Einfahrt der Straße von Singapore, derzeit noch 557 sm entfernt, Richtung 210 Grad. Von dort haben wir dann noch etwa 33 sm bis zur Ziellinie, die vor dem Hafen von Singapore, nahe der Insel Sentosa liegt.

 

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Eine letzte Nachricht aus dem Chinesischen Meer!

Leider hat sich das Wetter vor drei Tagen veraendert: Es ist enorm heiß, rundherum gibt es Schauer, aber kaum Wind. Von 1000 bis 1400 brennt die Sonne herunter, nur mit Nackenschutz, Regenschirm und Fußdusche ist es am Ruder ertraeglich. Die Temperatur der Luft betraegt im Freien 48 Grad, im Schatten 38 Grad, Wasser ueber 29 Grad. Taeglich arbeitet der Watermaker mehrere Stunden - das Wasser ist trotzdem sofort wieder weg.

Unsere Situation hat sich leider verschlechtert. Mol (24. 0700) und Hamburg (24. 1500) sind im Ziel, wir hatten Pech: Am Nachmittag des 24. haben wir nicht ganz 60 sm in 12 Stunden gemacht, um Mitternacht sind wir dann bei Horsburgh Lighthouse, der Einsteuerung der Straße von Singapore, angekommen: Dunkel und bewoelkt, kein Wind und 3 kn Strom (natuerlich entgegen), ununterbrochener Verkehr von Tankern, Container-Schiffen, ..... (auf einen Blick sieht man so 15 bis 20 Stück in unmittelbarer Naehe!).

Die unmoegliche Windsituation haelt an: 28 sm vor dem Ziel (Horsburgh) um 0000, jetzt, 11 Stunden später, noch immer 9 sm entfernt!

Die Ziellinie liegt unter der beeindruckenden Skyline von Singapore, die wir schon stundenlang sehnsuechtig anschauen. An stb Malaysia (Provinz Johor), an bb Indonesien (Bintan und Batam), schaukeln wir unter Spi (0.5 Reacher) von der Trennzone einmal in den Gegenverkehr, dann wieder in die Strasse in unserer Richtung – von einem Kollisionskurs in den anderen! Trotzdem wir knapp vor dem Ziel stehen, ist ein ETA einfach nicht zu prognostizieren, auch wissen wir nicht wie es den andern Booten geht. Hoffentlich schaffen wir die 9 sm noch heute!

 

PS

Um 134613 LT haben wir als dritte die Ziellinie überquert, ca. 30 h nach Mol, 24 h nach Hamburg. Gegen 2100 Uhr waren wir nahe der Einfahrt Ri Horsburgh, um 0000 war Horsburgh fast querab. Von Mitternacht bis 0600 steht der Strom (max. 3 kn) gegen uns, wegen der ganztägigen bzw. gemischten Gezeiten aber den Rest des Tages nur noch Stillwasser oder einwärts, sodaß alle nach uns Kommenden keinen Gegenstrom haben.

Beim Überqueren der Ziellinie waren der Strom so stark und der Wind so schwach, daß wir die Tonne fast verfehlt hätten. Unmittelbar nachher, als wir uns vor Anker legten, begannen Wind und Regen (wir wurden beim Ankern gebadet!); der Ostwind (4-5 Bft) dauerte an, bis alle hinter uns liegenden Gegner das Ziel unter Spi erreicht hatten. Schließlich hat es dann doch für einen 4ten Platz gereicht. Das Einklarieren hat dann von ca. 1600 bis 2015 gedauert und 100 S$ an Taxi-Kosten (und die Einladung nach Brani Naval Base) verschlungen.

 

PPS

Gesamt-Distanz: 1.566 sm, Dauer: 12 Tage 46 min 27 sec. Reihung nach offiziellem Klassement:

Hamburg 11 01 41 29 12 11 26 03

MOL 10 18 24 52 12 14 26 13

Bremen 12 02 57 06 12 20 24 32

COWNS 12 00 46 27 13 04 47 06

Danzig 12 08 15 01 13 08 14 48

Maiden 12 09 24 43 13 08 36 36