Handel-Mazzetti P., Sokol H. H., Wilhelm von Tegetthoff, ein großer Österreicher, Linz, 1952 p 189

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Die beiden Geschwader laufen, da die Dänen den Österreichern nachfolgen, auf östlichem Kurse nebeneinander her, wobei die Kaiserlich-Königlichen und die Preußen südlich stehen. Tegetthoff verringert die Abschußweite bis auf 300 m und bringt nun auch die Backbordseite ins Tragen. Im laufenden Gefechte muß die Kampfkraft der Batterien ausschlaggebend werden. Da sind die Dänen allerdings im Vorteil; nicht nur, daß sie den 86 österreichischen 102 eigenen Kanonen entgegenstellen können, zählen sie unter ihren Geschützen 26 gezogene, während Tegetthoff nur über 7 verfügt. Dazu kommt, daß sich die österreichischen Granaten als schlecht montiert erweisen. Aber die Dänen müssen selbst zugeben:

Die österreichischen Schiffe kämpften tapfer, und schon bei dieser Gelegenheit zeigte sich, aus welchem Stoffe der Kommandant geformt war.

Und nun hämmern "Niels Juel" und "Jylland" rastlos auf die "Schwarzenberg" ein, während "Heimdal" sich mit der "Radetzky" mißt und die preußischen Kanonenboote sich nur gelegentlich mit einigen Weitschüssen am Gefechte beteiligen können. Das österreichische Führerschiff erhält Treffer auf Treffer. Teile der Takelage werden in Brand gesetzt, Geschütze fallen aus, deren Bemannungen tot oder verwundet sind, das Holz der Aufbauten splittert. Aber Tegetthoff hat sich in seinen Gegner verbissen und weicht nicht. Schon ist auf der Fregatte zweimal Feuer ausgebrochen, doch als man dies Tegetthoff meldet, antwortet dieser ungerührt: "Nun, so lösche man!" Aus der Holzverschalung bei der vorderen Munitionskammer schlagen Flammen, dem beherzten Einschreiten des Seekadetten Peichl und dreier Matrosen gelingt es aber, die schwere Gefahr einer Entzündung des Pulvers zu bannen.

Die Verluste mehren sich; die Verwundeten jammern und stöhnen, Hitze und Rauch werden in der Batterie unerträglich. Mit wahrer Freude wird der Leutnant der Marine-Infanterie, Hofer, begrüßt, der freiwillig Marketenderdienste leistet. Wo sich bei der Mannschaft Zeichen der Ermüdung zeigen, packen die Offiziere -scharf zu und die Seekadetten bieten durch ihren selbstlosen Einsatz ein soldatisches Vorbild. Die Zahl der feuernden Geschütze vermindert sich schnell, weil die Ausfälle an Material und Mann erschreckend zunehmen. Auf beiden Fregatten ereignen sich dabei mancherlei bemerkenswerte Episoden. Seekadett Schönberger springt für einen gefallenen Geschützführer ein; als er seinen Rock ablegt, um das Geschütz leichter bedienen zu können, reißt ihm eine Granate, die ihn durch ihren Luftdruck niederwirft den Rock aus der Hand und entführt das Kleidungsstück durch eine Stückpforte auf der entgegengesetzten Bordseite. Seekadett Belsky wird tödlich verwundet weggeschleppt. Er rafft sich zusammen und ruft seinen Leuten zu: "Evviva l'Imperatore! Coraggio e difendetevi fino all' ultimo uomo!" Eine Dänenkugel explodiert auf dem vorderen Freideck der Radetzky bei den gezogenen Kanonen. Eines dieser Geschütze wird hiedurch fast ganz zerstört und doch feuert der Vormeister der daneben postierten Kanone weiter, als ob nichts geschehen wäre. Ein Mann wird durch Granatsplitter im Gesicht so arg verletzt, daß sein rechtes Auge verloren ist. Er fällt nieder und wird ins Banjerdeck getragen, um verbunden zu werden. Wenige Minuten später wankt er, noch ganz blutig, zu seinem Geschütz zurück. Auf die Frage seines Batteriekommandanten, was er denn wolle, da er doch kaum mehr etwas leisten könne, antwortet er: "Con un occhio non vedo vol' dir che tirero co'st altro!" Auf Deck der "Schwarzenberg" wird dem großen, viel gelästerten Pazifisten an Bord, dem Hauptmann-Auditor Kleinert von einer Granate die Hüfte weggerissen. Man kann nur mehr daran denken, seine Schmerzen zu lindern und setzt ihn in eine Wasserbalje. Dort stirbt der Justiz-Offizier mitten im Kampflärm.

Schon sind auf dem Führerschiff von 498 gegen 100 Mann außer Gefecht gesetzt und die übrigen Mannschaften von den Anstrengungen des Gefechtes und der Brandbekämpfung erschöpft. Und noch immer fegen die dänischen Granaten in die Flanke der Fregatte, aber sie werden redlich vergolten. Fast zwei Stunden dauert bereits der Waffengang, und auch auf dänischer Seite gibt es Schrecken, Blut und Verheerung, besonders auf der "Jylland". Da schlägt gegen 4 Uhr nachmittags eine Granate in den Bauch des Vormarssegels auf der "Schwarzenberg" und zündet, weil die trockene Leinwand gierig Feuer fängt. Linienschiffsfähnrich Kalmar, der in der Vormarsraa die Gefechtsentfernungen zu messen hat, bemerkt die Flammenzungen, als er zur Vormarsraa aufentert. Er ruft auf Deck herunter, daß man Wasser hole. Im Kanonendonner verhallen seine Befehle ungehört, und als man sie schließlich doch vernimmt, zeigt es sich, daß die am Mastfuß aufgestellten Wasserbaljen durchschossen und leer sind. Aber das ungebärdige Element des Feuers verbreitet sich, durch die Fahrt und den Wind angefacht, mit großer Schnelligkeit. Heißhungrig fressen sich die Flammenspitzen am leicht entzündbaren Tauwerk und Rundholz weiter. Bald ist auch die Mars nur mehr der unsichtbare Mittelpunkt eines Flammenmeeres. Auf Deck schleppen sie eifrig die Spritzenschläuche heran; die Maschinenpumpe ächzt, um ihren Wasserstrahl bis zur Vormarsraa zu speien, aber ihr Atem bläst ins Leere, denn der Schlauch ist von Granatsplittern durchlöchert worden. Gegen eine solche Kette von Widrigkeiten sind die Menschen fast machtlos. Auch die in der Mars postierten Matrosen sehen sich vor Rauch und Hitze gezwungen, auf Deck hinunter zu flüchten. Linienschiffsfähnrich Kalmar ist kaum auf Deck angelangt, als auch schon die am oberen Ende durchgebrannten Fockwanten ihm nachstürzen. Wie eine Riesenfackel lodert der mächtige Brand zu den Häuptern der Kämpfenden, ein greller Hintergrund zum Bilde des Sterbens und der Verwüstung, das die Batterie bietet.

Ein solcher Augenblick verlangt vom Abteilungsleiter gebieterisch einen Entschluß in bitterster Selbstverleugnung. Tegetthoff bricht das Gefecht ab, um in die Nähe des zumindest völkerrechtlich neutralen Helgoland zu steuern und dort das Feuer zu löschen. Wie ein gereizter Löwe, der seinem Feinde bis zuletzt die Tatze zeigt, zieht sich die Schwarzenberg" zurück. In einen doppelten Feuergürtel eingehüllt, fällt sie von der Gefechtslinie ab.

Aus eigenem Entschluß legt sich die "Radetzky" vor sie, obwohl sich Tegetthoff lieber noch bis zum letzten Augenblicke das freie Schußfeld für seine Geschütze wünschen würde. Sie ist es nun, die das Feuer der Dänen auf sich vereinigt. Auch in ihren Leib fährt Granate auf Granate und wird gebührend zurückgezahlt. Bald erschallt auch auf ihr der böse Ruf: "Feuer an Bord!" Ein Geschoß ist im Zwischendeck in der Kanzlei des Rechnungsführers zerplatzt und hat eine Unzahl von Papieren entzündet. Was unter normalen Verhältnissen vielleicht eine freudig begrüßte Tat gewesen wäre, wird hier zur Bedrohung des Schiffes. Aber ein Maschinist, ein Seekadett und einige beherzte Männer besiegen den Brand.

Die beiden Fregatten setzen das Feuer im Rückzuge mit ihren Heckgeschützen fort, bis der Feind nordostwärts aus der Schußweite gerät. Auf der Schwarzenberg sind 36 Mann, darunter der Auditor, tot, 80 verwundet; das ist fast ein Viertel der Bemannung. Im Rumpfe des Führerschiffes werden 93 Treffer gezählt. Auf der Radetzky sind ein Seekadett und 4 Mann tot, 8 Mann schwer und 16 Mann, darunter der Schiffskommandant, leicht verwundet.

Dänische Quellen melden, daß Suenson, als er das Feuer auf der "Schwarzenberg" bemerkte hatte, entschlossen gewesen sei, die Österreicher zu verfolgen. In diesem Augenblick sei aber der Steuerapparat der "Jylland" durch eine Granate zerstört worden, so daß die Fregatte nicht mehr dem Steuer gefolgt habe. Als der Schaden schließlich behoben worden sei, habe die österreichisch-preußische Schiffsabteilung schon Kurs gegen Westen aufgenommen. Eines steht fest: die Dänen folgen den Österreichern nicht; sie räumen gleichfalls den Kampfplatz und bleiben unter kleinen Feuern und Gaffelsegeln in Sicht des Leuchtfeuers von Helgoland liegen. Um 3 Uhr morgens erhalten sie durch ein Lotsenboot die Nachricht vom Waffenstillstand, der schon am 8. Mai abgeschlossen worden ist, und kehren nach Norwegen zurück.

Von den Schiffen unterm Danebrog hat die "Heimdal" infolge ihrer niedrigen Überwasserteile am wenigsten Verluste (2 Verwundete), "Jylland" die meisten (12 Tote, 25 Verwundete); "Niels Juel" weist 2 Tote und 23 Verwundete aus.

Während die Radetzky und die preußischen Schiffe ankern, bleibt die Schwarzenberg unter Dampf und Fahrt, um das Schiff vor dem Winde zu halten und zu verhindern, und das der Brand auf das Mittel- und das Achterschiff übergreife. Die verbrannte Vormarsraa, die Fockraa und die Vormarsstenge sind schon während des Gefechtes auf Deck gefallen, der Klüverbaum ist über Bord gegangen. Glühende Mastenringe, brennende Holzstücke der Mars, der Sahlingen und des Eselshofdes stürzen fast ununterbrochen auf Deck herab. Aus Backtischen wird eine Schutzwand hergestellt, um die Annäherung an den Mast zu ermöglichen. Aber auch diese Schutzwehr wird von herunterfallenden Eisenteilen wiederholt durchschlagen. Die heruntergestürzte Vormarsstenge ist im Deck steckengeblieben und ragt gegen den Fockmast geneigt empor. Der niedersausenden Gluttrümmer nicht achtend, klettert ein Marsgast mit dem Pumpenschlauch die Stenge hinan, um auf diese Weise dem Feuer besser Einhalt zu gebieten. Langsam besänftigt sich der Zorn des verzehrenden Elements. Es gelingt, den Fockmast zu kappen. Die Vormarsstenge, die am oberen Ende noch brennt, wird um Mitternacht durchsägt und gelöscht. Das Führerschiff ist gerettet.

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Da nun das Feuer gelöscht und für die Verwundeten gesorgt ist, wird wieder "Klarschiff" geblasen, um die Lücken an den Geschützen auszufüllen und das Schiff, so gut es gehen mag, in Gefechtszustand zu versetzen.

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Gegen 4 Uhr morgens des 10. Mai läuft die Schiffsabteilung in Cuxhaven ein, die Schwarzenberg mit ihren noch glühenden Brandwunden.

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