Segelhandbuch der Adria, II. Auflage 1906; p V

Erläuterungen

Kurse und Peilungen sind rechtweisend, Peilungen von See aus angegeben; aus der Umwandlung von Strichen in Gradmaß stammende halbe Grade sind auf ganze abgerundet, was für Zwecke der praktischen Navigation genügt.

Leuchtfeuer und Hafenfeuer. Feuer mit einer Sichtweite von mehr als 3 Seemeilen sind als Leuchtfeuer, alle anderen als Hafenfeuer benannt

Die Sichtweite der Leucht- und Hafenfeuer bezieht sich auf eine Augeshöhe des Beobachters von 5 m bei normalen Refraktionsverhältnissen und mittlerer Sichtigkeit der Atmosphäre.

Bei Feuern, deren Beleuchtungswinkel weniger als 360 beträgt, sind die Grenzpeilungen des zwischen den Blendungsschirmen gelegenen Sektors der Sichtbarkeit angegeben, falls auch nur eine dieser Peilungen über See reicht; hiebei ist zur Vermeidung von Irrtümern und zur besseren Übersicht stets eine Kardinalwindrichtung genannt, in der das Feuer zwischen den Grenzpeilungen gesichtet wird (z.B. "von 80 über N bis 250").

Details über Charakteristiken, Leuchtfeuerträger, Leuchtapparate etc. können dem alljährlich in Neuauflage erscheinenden, ebenfalls vom k. und k. Hydrographischen Amte herausgegebenen "Verzeichnis der Leuchtfeuer und Semaphorstationen im Adriatischen Meer" entnommen werden.

Die Seehöhen beziehen sich auf das mittlere Niveau der Adria bei Triest, abgeleitet von den Angaben des Flutautographen am Molo Sartorio im Triester Hafen. Meterangaben, die dem Namen eines Berges, einer Insel etc. in Klammern beigefügt sind, bedeuten Seehöhen.

Die Wassertiefen sind auf mittlere Ebbe des Gebietes der Lotungsstelle bezogen. Der Unterschied zwischen mittlerer Ebbe und mittlerem Springgezeiten-Niedrigwasser beträgt 0.2 m.

Die Strömungen sind nach der Richtung benannt, nach der sie setzen.

 

Segelhandbuch der Adria, II. Auflage, Pola 1906; p 56

GOLF VON TRIEST

Seekarten Nr. 6307, 6308

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Capodistria, mit 8250 Einwohnern, hat ein Hafenamt, ein Post- und Telegraphenamt, ein großes Strafhaus und ein Salzamt; zwei kleine Schiffswerften können Reparaturen in Holz ausführen. Die Stadt ist Station der Eisenbahnlinie Triest - Parenzo; sie hat einen kleinen, seichten Hafen, den ein hakenförmiger Wellenbrecher (Galera genannt) gegen NW-Wind schützt; vor der Sanität hat die Firma Cosulich eine kleine hölzerne Anlegebrücke für ihre Lokaldampfer erbaut. Eine Verholboje liegt auf 5 m Wassertiefe, unweit des Brückenkopfes, eine Vertäuboje auf 8 m Wassertiefe außerhalb des Hafens. Frische Lebensmittel sind in genügender Menge zu haben. die Trinkwasserbeschaffung ist minder günstig.

Hafenfeuer auf dem Kopfe des Wellenbrechers von Capodistria, fest grün, auf 3 Ml sichtbar.

Isola liegt 3 Ml westlich von Capodistria auf einer kleinen Halbinsel; es besitzt ein Hafenbecken für Küstenfahrzeuge, eine Verholboje auf 4 m Wassertiefe und einen Molo für kleine Schiffe. Die Stadt hat 6750 Einwohner, ein Hafenamt, ein Post- und Telegraphenamt und vier Sardinenkonservenfabriken; sie ist Eisenbahnstation und bietet geringe Ressourcen. Kleine Schiffe finden westlich oder südwestlich von der Stadt bei Bora, die hier mäßig weht, und bei südlichen Winden hinreichenden Schutz; der Grund besteht aus ziemlich gut haltendem Schlamme.

Hafenfeuer: 1. auf der Spitze Gallo, fest weiß und rot, weiß von 225 über S bis 135, rot von 135 über N bis 315, auf 3 Ml sichtbar; 2. Auf dem Molo, 6 m vom Kopfe, fest grün, auf 1 Ml sichtbar (dieses Feuer kann bei N-Stürmen manchmal nicht angezündet werden).

Die Bucht Strugnano bietet kleinen Schiffen Schutz gegen südliche Winde, die Bucht Fiessi dicht unter Land ankernden Fahrzeugen einigen Schutz gegen Wind und Seegang aus W, gegen den die Bai von Capodistria sonst überall offen ist. Vor der Ziegelbrennerei, (mit hölzerner Anlegebrücke) in der Bucht Fiessi ist eine Vertäuboje, für kleine Schiffe auf 15 m Wassertiefe ausgelegt.

Die BAI VON PIRANO (Hafenplan Seekarte Nr. 6312) erstreckt sich 3 Ml weit in südöstlicher Richtung. In der Nähe der Stadt Pirano ist das Ufer hügelig und gut bebaut, die mit Olivenbäumen und mit Zypressen bestandenen Höhen fallen in Steilwänden gegen die See ab. Im flachen, östlichen Teile der Bai münden die kleinen Flüsse Lera und Dragogna. Das Ufer der SW-Küste, Costa del Carso genannt, ist teilweise bewachsen, zerklüftet, aber nicht sehr hoch: in der Mitte dieser Küstenstrecke gewahrt man auf einem Abhange die Ruine S. Pietro.

Die Bora weht im nordöstlichen Teile der Bai, namentlich nordwestlich und östlich von der Spitze S. Bernardino, so mäßig, wie an keiner anderen Küstenstrecke im Golfe von Triest; die Bai ist daher als Zufluchtshafen bei Bora allen Schiffen sehr zu empfehlen. Gegen Scirocco, der hier selten heftig auftritt und keinen hohen Seegang verursacht, bietet nur der Ankerplatz südwestlich von der Stadt einigen Schutz; die Bai ist aber - mit Ausnahme des innersten Teiles des Hafens von Portorose - allen westlichen Winden ausgesetzt.

Ankerplätze. Der beste Ankerplatz für große Schiffe ist die Küstenstrecke zwischen Pirano und der Spitze S. Bernardino, W - SSW vom 91 m hohen Mogaron-Berge, der diese Stelle gegen östliche Winde schützt, auf 500 m Entfernung vom Lande; der Grund besteht aus zähem, widerstandsfähigen Lehm, er ist in den übrigen Teilen der Bai etwas weniger verläßlich. Kleine Schiffe liegen geschützt im Hafen von Portorose, innerhalb der Bojen. Bei SW-Wind kann man unter der S-Küste auf 800 m vom Land ankern; dort ist der Grund zwar weich, doch hält er ziemlich gut. Die seichten Buchten des O-Ufers sind als Ankerplätze nicht benutzbar.

Der Hafen von Pirano, an der W-Seite der Stadt, wird durch zwei Wellenbrecher abgeschlossen; die Tiefen im Hafen betragen 4 - 6 m; mit dem nördlichen Teile des Hafens steht ein Bassin mit etwas über 2 m Tiefe in Verbindung. Eine Vertäuboje liegt in der Verlängerung des größeren Wellenbrechers auf 19 m, eine zweite vor der Seifenfabrik auf 17 m Wassertiefe. Die Stadt, mit 10.300 Einwohnern, hat eine malerische Lage; an der N-Seite, am Rand einer hohen, viaduktähnlichen Stützmauer, erhebt sich die weithin sichtbare Kirche San Giorgio, östlich von der Stadt liegen auf den Höhen die Ruinen eines alten Kastells. In Pirano bestehen Fabriken für Glas, Seife und chemische Produkte, eine Schwefelmühle, eine Ölraffinerie, sowie - nächst dem Hafen von Portorose - kleine Schiffswerften. Im Hintergrunde der Bai befinden sich ausgedehnte Salinen. Frische und konservierte Lebensmittel, Trinkwasser (aus den öffentlichen Brunnen) und verschiedene Ausrüstungsgegenstände sind erhältlich; Pirano ist Station der Eisenbahnlinie Triest - Parenzo.

LEUCHTFEUER auf der Spitze Madonna, fest rot von 253 über S bis 351, auf 12 Ml sichtbar.

Hafenfeuer: 1. auf dem Kopfe des langen Wellenbrechers von Pirano, fest grün, auf 2 Ml sichtbar;

2. 5 m vom Kopfe des östlichen, kürzeren Wellenbrechers, fest rot, auf 3 Ml sichtbar;

3. je ein festes weißes Feuer auf den Köpfen der kleinen Moli am Eingang in das seichte Bassin, auf 2 Ml sichtbar, doch werden diese beiden Feuer, die der Seebehörde nicht unterstehen, manchmal nicht angezündet.

Der Hafen von Portorose, östlich von der Spitze S. Bernardino, ist bei Bora ein vorzüglicher Zufluchtsort für kleine Schiffe. Die Häuser von Portorose (550 Einwohner) umgeben das ehemalige Kloster S. Bernardino; am NO-Ufer sind zwei kleine Werften im Betriebe, vor der Sanität ist ein kleiner Molo erbaut, südöstlich davon, am Quai, befinden sich Salzmagazine. Einige Dückdalben stehen in etwa 5 m Wassertiefe, vor der Bucht liegen zwei Vertäubojen auf 14 und 12 m Tiefe und es finden an der westlicheren auch größere Schiffe genügenden Schwairaum.

Hafenfeuer auf dem Kopfe des kleinen Molos (Spitze S. Bernardino), fest grün, auf 3 Ml sichtbar.

Die Bucht Fisine ist sehr seicht. Am N-Ufer stehen eine große Sodafabrik, Villen, eine Badeanstalt (Portorose) mit Sol- und Seebädern, ein Militärkurhaus, das Post- und Telegraphenamt und davor ein hölzerner Anlegemolo für Boote; im SO der Bucht befinden sich Salinen. Der aus weichem Schlamme bestehende Grund ist hier wie auch in der angrenzenden Bucht Fasano und in der Bucht Sizziole nicht verläßlich; es sind daher diese drei Buchten als Ankerplätze nicht empfehlenswert. Die Mündungen der Flüsse Lera und Dragogna sind durch Pfahlwerke und Pfähle markiert, aber der Barre wegen nur sehr wenig tauchenden Fahrzeugen zugänglich.

KAP SALVORE. Die nächsten Anhöhen um das Kap sind von Kulturen bedeckt, zwischen denen Landhäuser liegen; die Abfälle gegen die See sind sanft, das Gestein am Ufer ist zerklüftet. Durch die mehrfach gegen SO zurücktretenden Ufer werden die Spitzen Salvore, di Mezzo, Lanterna und del Lago, der Hafen Salvore und die Bucht Piana gebildet.

Der Hafen Salvore bietet kleinen Fahrzeugen einen guten Zufluchtsort; seine Einfahrt, durch zwei bei Ebbe trocken fallende Steinwürfe auf 160 m verengt, wird durch zwei Steinbaken bezeichnet. Das S-Ufer und der Hintergrund des Hafens sind seicht, die größten Tiefen in der Mitte übersteigen nicht 3 m; der Grund ist sandig und hält gut.

LEUCHTFEUER auf der Spitze Lanterna, weißes Feuer mit weißen Blinken nach je 30s, auf 17 Ml sichtbar.

Der Leuchtturm und das Wächterhaus nördlich vom Turme sind von Bäumen umgeben.

Nebelsignale. Bei Nebelwetter werden mit einer Dampftrompete in Pausen von halben Minuten 10s lange Signale abgegeben, die bei Windstille bis auf 15 Ml hörbar sind.

Signalstation. Der Leuchtturm ist Signalstation und an das Staatstelegraphennetz angeschlossen.

Bänke. Die Bank For, die nördlichste der vier Untiefen beim Kap Salvore, mit 7.9 m Wasser und Felsgrund, liegt 1.2 Ml vom Leuchtturm in der Peilung Leuchtturm 143; die Bank Gobbo mit 6.3 m geringster Wassertiefe liegt in der Peilung Leuchtturm 169 auf 800 m vom Ufer, die Bank Or, auf 1000 m vom Ufer in der Peilung Leuchtturm 118, hat 7.6 m Wasser an der seichtesten Stelle; die Bank Skar, die südlichste der vier Bänke, erstreckt sich in der Peilung Leuchtturm 48 auf 1.5 - 1.8 km von diesem mit einer Wassertiefe von 7.5 m.

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Segelhandbuch der Adria, II. Auflage, Pola 1906; p 428

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Der Fluss Tagliamento ist für Boote (bis auf 16 Ml stromaufwärts von der Mündung) befahrbar; an der Mündung haben sich beiderseits veränderliche Sandbänke gebildet, die bei Ebbe fast trocken fallen und eine schmale, sehr seichte Einfahrt freilassen. Am linken Flußufer, in der Nähe der Mündung steht ein Finanzwachhaus (gleichzeitig Hafenamt), die Ortschaft Latisana (16 Ml flußaufwärts) hat 5500 Einwohner.

Als Landmarken beim Anlaufen der Tagliamento-Mündung dienen die Kirchtürme von Caorle, Marano (8 Ml nordnordöstlich von der Tagliamento-Mündung) und von Aquileja, in der Nähe (s. Ansicht B auf Seekarte Nr. 6474) die Hügel an der Mündung, das Finanzwachhaus am O-Ufer des Tagliamento und die Finanzwachhäuser des Hafens Lignano, endlich ein markanter Baum ("Albero Pineda").

Der Hafen Lignano (Hafenplan Seekarte Nr. 6478, Ansicht A auf Nr. 6474) ist bei Hochwasser eine ausgedehnte Wasserfläche, die südlich vom Vereinigungsorte der Kanäle dei Lustri, Distesa und di Marano sich befindet; in den Kanal Distesa ergießt sich das Flüßchen Stella. Der Hafen von Lignano ist der beste des angrenzenden Küstenbereiches, doch gestatten die Wassertiefen der der Einfahrt vorliegenden breiten Sandbank nur Schiffen mit weniger als 3 m Tauchung das Einlaufen. Von der flachen südwestlichen Einfahrtsspitze, die ein Finanzwachhaus ("Finanza Lignano", gleichzeitig Hafenamt) und ein Leuchtfeuer trägt, reicht eine größere Bank mit weniger als 2 m Tiefe über 1 1/4 Ml weit gegen SSO; die östliche Einfahrtsseite bildet die Laguneninsel Marinetta, von der sich eine bei Ebbe größtenteils trocken fallende Bank, Banco di Martignano, auf fast 1 Ml gegen S ausbreitet. Die Hafeneinfahrt, 3 - 4 m tief, liegt zwischen diesen Bänken, sie wird durch eine kleine 1.5 m-Bank, 3/4 Ml südöstlich vom Finanzwachhaus, unklar gemacht. Der Hafen, der sich von der südwestlichen Einfahrtsspitze gegen NNW erstreckt, ist 5 - 11 m tief; er steht durch Kanäle mit der Ortschaft Marano (auch Marano Lagunare, 1300 Einwohner), durch das Flüßchen Stella mit den Ortschaften Precenicco (1500 Einwohner) und Palazzolo (auch Palazzolo della Stella, 1800 Einwohner) in Verbindung. Beim Finanzwachhause befindet sich eine Anlegebrücke, eine Batterie und ein Brunnen.

Von der Einfahrt des Hafens Lignano bis südlich vom Hafen Buso liegen fünf Kegelbojen auf knapp 1 1/2 Ml vom Ufer aus. Einem alten Privilegium zufolge ist das Fischen in dem Raume zwischen den Bojen und dem Festland ausschließlich den Fischern von Grado gestattet.

Der beste Ankerplatz befindet sich nordnordwestlich vom Finanzwachhause von S. Andrea in 6 - 7 m Wassertiefe. Während des nach Regenfällen oft starken Ebbstromes unterlasse man das Einlaufen und ankere südlich vom Kirchturme von Marano, in 11 - 12 m Tiefe auf Schlamm und Sandgrund; dieser Ankerplatz ist aber gegen Seewinde nicht geschützt.

Beim Anlaufen orientieren die Finanzwachhäuser von Lignano und Porto S. Andrea (Zellina-Mündung), sowie der flach gedeckte Kirchturm von Marano; man nähere sich dem Lande nicht unter 1 3/4 Ml, ehe die Einfahrt nicht genau erkannt ist. Für das Einlaufen ist die Aufnahme eines Lokallotsen empfehlenswert; man lasse die Boje Nr. 2 nahe Steuerbord, steuere dann direkt gegen die Boje Nr 1 und wende unmittelbar vor dieser gegen die Landungsbrücke beim Finanzwachhause Lignano.

LEUCHTFEUER am Ufer beim Finanzwachhause von Lignano, fest weiß von 0 über W bis 120, auf 5 Ml sichtbar.

Auf der eisernen Brücke von Marano wird zur Orientierung der Fischerfahrzeuge ein festes weißes Licht gezeigt.

Der Hafen S. Andrea (s. d. Hafenplan von Lignano, Seekarte Nr. 6478, und Ansicht A auf Seekarte Nr. 6474), 1 1/4 Ml östlich vom Hafen Lignano, wird von diesem durch die ausgedehnte, bei Ebbe, größtenteils trocken fallende Bank di Martignano und den Laguneninseln Marinetta und Barene di Martignano getrennt. Auf der östlichen Einfahrtsspitze steht ein Finanzwachhaus, auf der südöstlichsten der Barene di Martignano ein kleines, von See aus sichtbares Haus. Die Tiefe in der Einfahrt, die zwischen der Bank Martignano und einer von der östlichen Einfahrtsspitze gegen SSO reichenden 0.6 m-Bank liegt, beträgt an einer Stelle nur 1 m, es ist daher der Hafen nur kleinen Fahrzeugen zugänglich. Vom Hafen, der die Mündung des Flüßchens Zellina bildet, zweigt der Kanal dei Gorghi gegen N ab.

Der Fluss Aussa gehört mit seiner westlichen Hälfte zu Italien; an seiner westlichen Einfahrtsspitze steht ein k. italienisches Finanzwachhaus (gleichzeitig Hafenamt), diesem gegenüber, auf der österreichischen Seite, das ehemalige k. k. Finanzwachhaus zwischen Bäumen. (Hafen Buso s. S. 46.)

 

 

Reichs-Marine-Amt. Segelhandbuch für das Mittelmeer. VI. Teil: Das Adriatische Meer. Berlin 1907

Vorwort

Der VI. Teil des Segelhandbuchs für das Mittelmeer umfaßt die Ostküste von Italien nördlich vom Kap Santa Maria di Leuca, die Küsten und Inseln von Österreich-Ungarn, Montenegro und Albanien südlich bis zum Golf von Arta.

Als Grundlagen für die Bearbeitung dienten neben den neuesten italienischen, österreichisch-ungarischen und englischen Admiralitätskarten: Mediterranean Pilot vol. III von 1899 nebst Supplement von 1904; Instructions Nautiques sur la mer Adriatique von 1902 nebst Supplement von 1907; Vedute delle coste d'Italia, Parte I (1897), II (1884); Segelhandbuch der Adria, 2. Aufl., Pola 1906 nebst Nachträgen; ferner zahlreiche Fragebogen und Berichte deutscher Konsuln und Kapitäne der Handelsmarine, gesammelt von der Deutschen Seewarte. Außerdem sind Berichte S. M. Schiffe und Beiträge aus den Annalen der Hydrographie und dem Piloten neue Folge für das Werk verwertet worden. Im Abschnitt I sind nur die Angaben über magnetische Elemente von der Deutschen Seewarte bearbeitet worden, die Angaben über Wind und Wetter, Strömungen, Gezeiten, Dampfer- und Seglerwege sind dem vorzüglichen österreichisch-ungarischen Segelhandbuch der Adria zu verdanken.

Die "Nachrichten für Seefahrer" sind bis einschließlich Heft Nr. 21 vom 18. Mai 1907 berücksichtigt worden. .....

Reichs-Marine-Amt. Segelhandbuch für das Mittelmeer. VI. Teil: Das Adriatische Meer. Berlin 1907; p 148

Abschnitt IV: Von Ancona zum Golf von Triest.

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Porto Lignano, 3 3/4 Sm nordöstlich von der Tagliamento-Mündung, ist bei Hochwasser eine ausgedehnte Wasserfläche, die sich südlich vom Zusammenfluß der Kanäle Lustri, Distesa und Marano ausdehnt; in den Kanal Distesa ergießt sich das Flüßchen Stella. Der Hafen von Lignano ist der beste dieser Küstenstrecke, doch können wegen der vorgelagerten breiten Sandbarre nur Fahrzeuge mit weniger als 3 m Tiefgang einlaufen. Von der flachen südwestlichen Einfahrtshuk, die ein Zollwachthaus (Finanza Lignano, gleichzeitig Hafenamt) und ein Leuchtfeuer trägt, reicht eine größere Bank mit weniger als 2 m Wasser über 1 1/4 Sm weit südsüdostwärts; an der Ostseite der Einfahrt liegt die Laguneninsel Marinetta, von der sich die bei Ebbe größtenteils trockenfallende Bank fast 1 Sm nach Süden ausbreitet. Die 3 bis 4 m tiefe Hafeneinfahrt führt zwischen diesen Bänken hindurch; eine kleine 1,5 m-Bank, 3/4 Sm südöstlich vom Zollwachthaus, liegt für die Einsteuerung sehr hinderlich. Der Hafen, der sich von der südwestlichen Einfahrtsspitze nordnordwestwärts erstreckt, ist 5 bis 11 m tief; er steht durch Kanäle mit der Ortschaft Marano mit 1300 Einwohnern, auch Marano Lagunare genannt, und durch das Flüßchen Stella mit den Ortschaften Precenice mit 1500 Einwohnern und Palazzolo mit 1800 Einwohnern, auch Palazzolo della Stella genannt, in Verbindung. Beim Zollwachthause befinden sich eine Anlegebrücke, eine Batterie und ein Brunnen.

Tonnen. Auf der Barre, zur Bezeichnung der Einfahrt, liegt eine rote spitze Tonne mit zylindrischem Toppzeichen, die die Nummer l führt. Andere spitze Tonnen liegen längs der Küste in kaum 1 1/2 Sm Abstand bis südlich vom Hafen Buso (s. Seite 154). Die Tonne Nr. 2, die nächste östlich von 1, ist Ansteuerungstonne für den Lignano-Hafen. Einem alten Privilegium zufolge ist das Fischen in dem Raume zwischen den Tonnen und der Küste ausschließlich den Fischern von Grado gestattet.

Ansteuerung von Porto Lignano. Landmarken sind die Zollwachthäuser von Lignano und Porto San Andrea an der Zellina-Mündung, sowie der flach gedeckte Kirchturm von Marano (Abbild. 152 und 156); man nähere sich dem Lande nicht weiter als bis auf 2 Sm, ehe die Einfahrt nicht genau erkannt ist. Man lasse die Tonne Nr. 2 dicht an St.B., steuere dann gerade auf die Tonne Nr. 1 zu und drehe unmittelbar vor dieser auf die Landungsbrücke beim Zollwachthaus Lignano zu.

Leuchtfeuer von Porto Lignano. Ein weißes Festfeuer von 5 Sm Sichtweite brennt 6 m über Wasser südöstlich vom Zollwachthaus an der Westseite der Hafeneinfahrt. Sichtbar von rw. 120 (mw. SO 1/2 O) über Süd und West bis rw. 0 (mw. N 7/8 O). Auf der eisernen Brücke von Marano wird für die Fischerfahrzeuge ein weißes Festfeuer gezeigt.

Lotsen. Für das Einlaufen ist die Annahme eines Ortslotsen anzuraten.

Ankerplatz im Porto Lignano. Der beste Ankerplatz ist vor der Mündung des Marano-Kanals, wo man mit dem Bug nach Süden vermurt gut geschützt liegt. Während des nach Regenfällen oft starken Ebbstromes unterlasse man das Einlaufen und ankere etwa 2 Sm von der Küste südlich vom Kirchturm von Marano auf 11 bis 12 m Wasser, Grund Sand und Schlick; dieser Ankerplatz ist aber gegen Seewinde nicht geschützt.

Porto di San Andrea, die Mündung des Flüßchens Zellina, 1 1/4 Sm östlich vom Hafen von Lignano, wird von diesem durch die ausgedehnte, bei Ebbe größtenteils trockenfallende Bank Martignano und den Laguneninseln Marinetta und Barene di Martignano getrennt. Auf der östlichen Einfahrtshuk steht ein Zollwachthaus, auf der Südosthuk der Insel Barene di Martignano ein kleines, von See aus sichtbares Haus.

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