NCA Übungstörn Sommer 2005 (1st edition)
Erstmals wurde heuer vom NCA ein Übungstörn mit anschließender Prüfung im Sommer organisiert, speziell für die NCA-Jugend, die am traditionellen Ausbildungstörn zu Ostern aufgrund ihrer Trainings und Regattatätigkeit im Jollensegeln nicht teilnehmen kann. Die Ziele dieses Törns waren Leben an Bord mit all seinen Aspekten im Ausbildungsbetrieb, vor allem aber Übung einiger ausgewählter Manöver, Navigation bei Tag und bei Nacht und viele Meilen.
Gechartert wurde eine Grand Soleil 40 Regatta (die hübsche „Stella“) von der in Primosten und Sibenik ansässigen Charterfirma NCP vom 3. bis zum 17. September, weil auf diesem Boot gleich in der zweiten Woche zwei Prüfungen und drei weitere Übungstage geplant waren.
Für uns (Claudia, Bernd, Christopher, Lukas und Lukas, Claudio) hieß es also Samstag in der Früh auf Richtung Kroatien, mit dem Hintergedanken, neben dem Segeln vielleicht auch noch die Vorzüge der warmen Jahreszeit ein wenig nutzen zu können. Stützpunkt des NCP ist die Marina Mandalina auf der Halbinsel im Süden des Beckens von Sibenik. Wir kamen schon gegen Mittag an und entschieden uns, durch die Altstadt von Sibenik zu schlendern. Inzwischen war das Boot fertig zur Übernahme, die übrigens völlig problemlos über die Bühne gegangen ist. Auch jede von uns gewünschte Ausrüstung für die Überfahrt nach Italien (Rettungsinsel) und zum Spinnakern (Spi, doppelte Schoten samt Blöcken!) wurde uns anstandslos übergeben. Nach dem Setzen des Clubstanders waren wir am Nachmittag fertig zum Auslaufen. Unser erstes Ziel hieß Ancona und aus mehrerlei Gründen nicht San Benedetto: Erstens ist es schön, wieder einmal etwas Neues auszuprobieren und außerdem wollten wir mit unseren 2,5 Meter Tiefgang in der seichten Einfahrt von San Benedetto keine „Pionierarbeit“ leisten. Wir legten also um 1730 ab Richtung Hafenkapitän Sibenik, um 1815 waren alle Formalitäten erledigt und an der Ausfahrt Sveti Ante setzten wir Segel. Bei schwachem NE-Wind fuhren wir Richtung Sonnenuntergang. Obwohl der Wind nie stärker als 3 Bft blies, mussten wir auf unserem Amwindkurs zwischen Tijat und Zmajan das Groß schon einmal reffen, um nicht so oft aus dem Ruder zu laufen und auch unsere Fahrt durchs Wasser bestätigte die Sportlichkeit unseres Bootes: 8 Knoten Windgeschwindigkeit, 7 Knoten Bootsgeschwindigkeit. So „glitten“ wir mit wenig Wind - schneller als erhofft - Richtung Westen. Gegen 0300 schlief der Wind dann ein und wir mussten die restliche Überfahrt mit dem Motor hinter uns bringen, was den Vorteil hatte, dass unsere relativ schwachen Batterien geladen wurden, die uns im Laufe des Törns noch beschäftigen würden.
Am Sonntag erreichten wir Ancona gegen 1300 an. Nach vergeblicher Suche nach dem Hafenkapitän, bei völligem Desinteresse aller öffentlichen Organe an uns und unsere Überfahrt, legten wir uns für eine Stunde und ein gutes Mittagessen an die Zollmole. Kurz nach 1400 brachen wir auch schon wieder auf Richtung Kroatien, wobei wir unser Ziel noch nicht festlegten, sondern vom (noch erwarteten) Wind abhängig machten. Auf diesen Wind mussten wir länger warten, er kam kurz nach Mitternacht aus nordöstlicher Richtung auf. Wir entschieden uns daher für Primosten, das bei anhaltenden Windverhältnissen leicht zu erreichen war. Und um 0900 waren wir dann auch dort. An diesem Montag konnten wir dort nicht einklarieren; wir wurden in die Marina Kremik geschickt, wohin extra für uns Kapetanja, Polizei und Zoll aus Sibenik kamen. Nach dieser kurzen Unterbrechung legten wir ab und der Winddreher auf schwachen Scirocco passte uns ganz gut in den Plan Richtung Norden. Zuerst aber nutzten wir die guten Segelbedingungen und übten wenden, halsen und reffen, bis wir uns neben dem Leuchtfeuer Mulo wiederfanden. Dort konnten wir endlich unseren Spinnaker (angeblich 130 m2) ausprobieren und genossen bei auffrischendem Wind die neidisch-neugierigen Blicke der entgegenkommenden und die „Nichtblicke“ der überholten Boote. Nachdem wir den Spi geborgen hatten, war gerade noch genug Zeit für paar weitere Manöver, bis dann ein Gewitter knapp an uns vorbeischrammte und der Wind fast vollkommen einschlief. Trotzdem segelten wir dann– zum ersten Mal unter Vollzeug – in die Nordbucht von Zlarin, wo wir ein nah befreundetes Boot, die „Mljet“ (drei Mädchen, Skipper Maria), trafen und die erfolgreichen ersten Tage gemeinsam feierten.
Am Dienstag, strahlend blauer Himmel, hielt uns nichts allzu lange in der Koje und gleich nach dem Aufstehen übten wir die Ankermanöver gleich in Zlarin, bevor wir nach Sibenik fuhren und nach langjährig bewährter Methode die Anlegemanöver an der Hafenmole durchexerzierten. Der S-Drive-Antrieb der Stella ließ den Radeffekt auf ein Minimum schrumpfen und so konnte ein wichtiger Aspekt der Motormanöver leider nicht demonstriert werden. Um 1340 waren alle sicher genug und wir machten uns auf Richtung U. Potkucina. Die Zeit, die wir zwischen den Inseln vor Sibenik und im Murterer Meer segelten, nutzten wir, die Navigationsverfahren genauer durchzugehen und auch der Sextant kam zum Einsatz. Nachdem wir alle unsere Gegner zumindest einmal überholt hatten, drehten wir um Richtung Kakan, wo wir kurz vor 1700 unter Segel ankerten. Es wurde gebadet, gekocht und ausgeruht, denn die Nachtfahrt mit Nachtansteuerungen stand jetzt auf dem Programm. Bei Sonnenuntergang und völliger Windstille legten wir ab und navigierten im Laufe der Nacht durch die Inselwelt vor Sibenik, bis wir um kurz nach 0200 in der Bucht von Primosten ankerten, um ein paar Stunden zu schlafen.
Während am Mittwoch Vormittag die beiden Prüflinge unserer Crew (Lukas und Lukas) noch fest Manöver übten, übte sich der Rest der Crew in Nachbeschaffung. So konnten wir gegen Mittag bei schönem Südwind endlich wieder den Spinnaker setzen und hielten Richtung Murter. Es wurden wieder fleißig Knoten geübt, terrestrisch navigiert, getrimmt und gesegelt und nach ein paar Stunden Zickzack ankerten wir in einer Bucht nördlich von Tisno, wieder am Paket mit dem der Mljet, die wir schon in Zlarin getroffen hatten. Wir mischten uns durch und veranstalteten einen gediegenen, bootsübergreifenden Abend.
Der Donnerstag fing für uns dafür etwas später an. Weit war unser nächstes Ziel ja nicht entfernt und deswegen gingen wir erst gegen Mittag Anker auf, tuckerten zwischen den Murter nördlich vorgelagerten Inseln hinaus und setzten endlich wieder den Spinnaker. Bei schwachem, unstetigem Wind kamen wir zwar nur langsam, aber ziemlich gemütlich voran, besprachen und übten noch ein paar Dinge, die das Boot und Arbeiten an Bord betrafen, bis wir schließlich gegen 1730 den Motor starten mussten, um zu unserem Abschlussessen beim Mandrac in Iz Veli zurecht zu kommen. Auch dort trafen wir die Crew der Mljet wieder und nach einem gemütlichen, aber kurzem Abend, brachen wir vor 2300 schon wieder auf Richtung Sibenik.
Nach einer wind- und ereignislosen Nachtfahrt ankerten wir um ca. 0700 bei der Einfahrt Sveti Ante und warteten aufs Bunkern. Nachdem wir auch das erledigt hatten, übten wir in unserer Heimatmarina noch eine Stunde anlegen, bis dann am Freitag Vormittag nach sechs (ent)spannenden Tagen und 423 Seemeilen die ein Teil der Crew (Claudia, Bernd, Christopher) die Heimreise antreten musste.
Für uns andere gab es dann eine (ent)spannende Pause, denn am Nachmittag wurde ein weiteres Crew-Mitglied (Peter F) erwartet, sowie die Prüfungskommission (Imre B und Bernhard K), und der unmittelbare Prüfungsbeginn um 1700.
1700 Uhr, ablegen (prüfungsmäßig), raus und Segel gesetzt. Bei ausreichendem Wind wurden alle Segelmanöver rasch und einwandfrei absolviert. Nach einem kleinen Imbiss war es dunkel, die Nacheinsteuerungen begannen. Zuerst um Zlarin herum Richtung Tijascica, Einsteuerung Zlarin, dann von Süden kommend nach Kaprije und zuletzt nach Vodice. Bereits längsseits im Stadthafen kommt ein Gewitter mit ganz starkem Guß. Gegen Vormittag klart es auf, wir können segeln, motoren, ankern, etc. So verbringen wir viele Stunden, bis dann das Prüfungsergebnis feststeht und verkündet wird: Alle drei Kandidaten haben (sehr gut) bestanden. Sogar die Führerscheine können von Obmann Imre B an die Kandidaten ausgegeben werden.
Am Sonntag Nachmittag: Szenenwechsel (Crew-Wechsel). Neue Crew-Mitglieder (und Kandidaten für die zweite Prüfung) kommen an Bord. Andi und Andy (später auch Charly) kommen aus Wien, Reinhard, Reinhard (später auch Reini) und Markus reisen aus Graz an.
Drei Tage wird geübt, speziell beim Segeln sind wir sehr fleißig: Jeder muss die Boje mindestens drei Mal fangen, alle paar Stunden reffen wir das Großsegel. Auch bei Nacht sind wir unterwegs, steuern Zlarin, Tijascica, Kapriie, Tribunj, Vodice an. Unter Segel gehen wir Anker auf, unter Segel gehen wir an die Boje in der Potkucina, unter Segel gehen wir vor Anker in Prvic. Das Wetter ist gut, immer Wind, nicht zu viel. Als Abschlussübung gibt es noch ein paar Stunden Spinnaker mit mehreren Halsen. Jetzt sind wir für die Prüfung bereit (glauben wir).
Am Mittwoch Abend erscheint die Kommission (Obmann Imre B), los geht’s wieder mit dem Segeln. Bei leichtem Wind erledigen wir die Manöver, alledings gibt es ein bisschen Prüfungsstress, ganz so gut wie beim Üben geht es dann doch nicht. Trotzdem, alles ok, wir starten zur Nachfahrt. Wieder aus dem Süden kommend gehen wir nach Tijascica, warten die Dunkelheit ab, dann unter Segel nach Nicola auf Murter, später Jezera, dann Tribunj, Erholung gegen Morgen in Vodice. Am nächsten Tag geht’s, bei leichter Bora wieder unter Segel nach Prvic, von dort nach Zlarin (Anlegemanöver bei Bora und Seegang – puh), und schließlich ist die Kommission doch zufrieden: Alle Kandidaten haben bestanden!
Ein letzter Crew-Wechsel, die Wiener Kollegen – jetzt alle mit Führerschein – legen ab Richtung Heimat, die verbleibende Crew (Claudio, Bernhard, Reinhard und Markus) genießt einen ruhigen Segeltag bei sommerlichem Schönwetter. Eine kleine Mittagspause in Sepurine erinnert (uns?) an das Kroatien der 70 er Jahre, sonnig und warm, beschaulich bis verschlafen (ein Genuss, den es heute nicht mehr gibt), nur gestört durch Preis von über 20 Kuna pro Bier. Als starker Abschluss gehen wir unter Segel, machen noch etwas Weg gegen den Wind, setzen dann den Spi und fahren unter Spi durch den Sveti Ante, bis ganz nahe zur Tankstelle.
Am Freitag Abend können wir ohne jeden Stress und Ärger das Boot, die schöne „Stella“, zurückgeben. Dann noch einmal übernachten, und es heißt: Ende der Saison, es geht nach hause (außer für Claudio, er muss nach Hramina, noch eine Woche segeln).