Statement zum NCA-Übungstörn 2003!

Wir, die Crew von "Dobra Morska Vila" bzw. dann "NOVA", sind alle wieder wohlbehalten in Graz angekommen, und die Stimmung der gesamten Crew ist sehr gut ... und nicht negativ.

Nach meiner Ankunft in Sukosan - Samstag ca. 1400 - fand ich unsere Elan 431 D.M.V. am Steg 1, wie lt. Plan auch vorangekündigt. Es wurde gerade das Großsegel installiert, und die Schmerreffleinen eingeschoren. Ich ging an Bord und staute meine Sachen im Salon, ich hatte ja kein Auto, und so waren meine Seesäcke schon versorgt. Bei der ersten Durchsicht fiel mir der schon sehr betagte Zustand des Schiffes auf - in den Achterkojen roch es stark nach Diesel, und in der Bilge stand noch alte Flüssigkeit. Da fiel mir die Aussage eines Segelkollegen vom ÖSYC ein, der einige Tage zuvor meinte "Du fährst mit der D.M.V.?  Das ist ja das Schiff, das in Cres einmal auf Grund gelaufen und abgesoffen ist!" - ob´s stimmt weiß ich nicht.  Ausrüstungsmäßig war bis auf die schon bekannten Mängel bei alten Schiffen (Fernglas vergammelt, Seekarten alt, Elektrik desolat, Kompasslicht nicht eingebaut, einige Tür- und Ladenschlösser nicht in Ordnung, Navigationsbesteck unbrauchbar  bzw. nicht vorhanden usw.) alles soweit in bedingter Ordnung.

Nun ging ich zu Kroki, und der uns bekannte "beleibte Mann mit Brille“ namens Marko empfing mich recht höflich, und bat um eine Crew-Liste, den Führerschein und das Funkzeugnis, um die nötigen Anmeldearbeiten durchführen zu können (die gefaxte Crewliste hatte er in Zadar vergessen). Meinen Hinweis, dass die D.M.V. in einem nicht sehr guten Zustand sei, goutierte er mit Achselzucken. Die Frage um ein Ersatzschiff verneinte er ("ne moze").

Danach suchte ich die anderen drei NCA-Schiffe, um für den NCA nach dem Rechten zu sehen und auf meine Crew zu warten.

Konrads Schiff war noch im Trockenen (wie es weiter ging wissen wir ja), sonst war alles ok. Der Bus kam, meine Crew kam und nach einer unkomplizierten Übernahme - jetzt war nicht mehr KROKI zuständig, sondern 2 Personen der Firma "No 1 Charter Group" "GTF d.o.o.", die auch die Kaution, die Touristenabgabe und EUR 50,00 für das Italienpermit kassierten (obwohl lt. Charterpass bereits entrichtet) - ging es ohne besondere Vorkommnisse unter Maschine nach Sibenik. Aufgefallen war, dass das Schiff bei Fahrt über 3 kn unter Maschine beim Auslassen des Ruderrades einen Haken nach links macht.

Bei der Durchsicht der Schiffspapiere in Sibenik fiel mir auf,  dass die Versicherungsbestätigung nicht da war. Ich marschierte mit den vorhandenen Dokumenten zum Hafenkapitän um zu überprüfen, ob für die geplante Italienüberfahrt diese Bestätigung notwendig ist. Das war so, und so telefonierte ich 2x mit Marko von "Kroki", der versprach, das fehlende Dokument zum Hafenkapitän nach Sibenik zu faxen.

Nach den Motormanövern beschloss ich, mit der D.M.V. noch einige Segelmanöver zu fahren, um bei der Überfahrt nicht böse Überraschungen zu erleben. Das hat sich ausgezahlt, denn als wir mit Überbesegelung einen "Sonnenstich" durch Leeruderlage zu verhindern versuchten, löste sich der obere Teil der Rudersäule aus seiner Verankerung und die Zahnräder der Ruderumlenkung rutschten übereinander weg, da der obere Teil der Rudersäule auch als Gegenlager für diese Verzahnung dient. Nach dem Anlegen an der Mole in Sibenik wurde festgestellt, dass die Sitze der Verschraubungen, die im Ruderstand eingegossen sind, teilweise ausgebrochen und ausgedreht waren, und 2 der 4 Halteschrauben abgebrochen sind.  Bei genauer Kontrolle konnte weiters auch festgestellt werden, dass dieser Fehler bereits vor unserem Fahrtantritt bestanden haben muss. Da der Fehler nicht ausreichend repariert werden konnte, war heute an eine Italienüberfahrt nicht mehr zu denken. Ich telefonierte noch einmal mit Marko und forderte einen Schiffstausch, der nach einigen Diskussionen bestätigt wurde. Das Problem mit dem fehlenden Versicherungspapier für Italien löste sich auch dadurch (ob es gefaxt wurde oder nicht entzieht sich meiner Kenntnis).

Am Sonntag Abend checkten wir die D.M.V. in Sukosan aus, die Kautionsrückgabe sei aber „noch abhängig vom Abtauchen am Samstag“; zu den gebrochenen Schrauben meinte der Marinero "das weiss ich",  zum Lenkproblem unter Motor sagte er "das ist normal", zu den anderen Mängeln meinte er: "die seien nicht so gravierend".

Der Eincheck des anderen Schiffes "NOVA" erfolgte nun recht schnell noch in der Nacht, auf die Frage zum fehlenden Spinnakerbaum zeigte mir der Marinero im Stauraum  einen Spi-Sack mit Schoten und meinte, dass hier ein Genaker drinnen ist.

Montag Vormittag ging es los Richtung Vis. Vor Sukosan setzten wir Segel und fuhren rund Pasman durch die Vela Proversa und die Kornaten bis ca. 2 Stunden vor unser Ziel Vis, unter Ge + G mit einem Schnitt von ca.7,5 kn. Am Dienstag ging es Richtung Milna, jetzt bemerkten wir, dass wir keinen Genaker mit hatten, sondern einen waschechten 3-radialen Spi, der ohne Baum leider nicht zu setzen ging. Kleiner Ärger kam wieder auf...  Auf alle Fälle hatten wir sonst mit dem neuen Schiff große Freude und bis auf ein Glas, das beim Abwaschen kaputt ging, hatten wir keinen Schaden.

Checkout "D.M.V.":

Der Marinero zeigte mir am Samstag auf der D.M.V. (die Steuersäule war bereits abgebaut) einen kaputten Plastik-Abdeckteil des StB Außenlautsprechers und meinte, dass wir das ersetzen müssen. (lt. aufliegendem Katalog um EUR 100,00 für 2 Lautsprecher... diesen Teil bekommt man nicht einzeln). Die besagte kaputte Abdeckung war bereits durch Alter (die D.M.V. ist 12 Jahre alt) und UV- Einwirkung total spröde!! Das kostete dem Marinero nur ein leichtes Achselzucken. Mein inneres Kochen begann; was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Meiner Crew fiel bei der ersten Benutzung der Audio-Anlage, knapp nach dem ersten Auslaufen, dieser Schaden bereits auf (die Meldung an mich blieb leider aus).

Nach dem Abtauchen stellte der Taucher in kroatischem Dialekt, der mir in "Wortfetzen" geläufig war, fest, dass beim Ruder etwas nicht ganz in Ordnung ist. Der Marinero antwortete in noch unverständlicherem Kroatisch glaube ich "da da“..  und noch etwas ..  was soviel heißen könnte "ja ja  ich weiß" (das würde das Hakenschlagen erklären).

Forderung des Vercharterers:  EUR  100,00 für die Lautsprecher.

Checkout "NOVA":

Nach einer kurzen Frage des Marineros, ob alles ok sei und einer oberflächlichen Kontrolle (kein Zählen der wichtigen Ausrüstungsgegenstände, keine Kontrolle der WC-Funktion - was sonst durchaus üblich ist) ging der Marinero ins Cockpit und fing an, die elektronischen Teile zu überprüfen, und ganz zielstrebig den Autopiloten, der seiner Meinung nach nicht richtig arbeitet (nach einer Korrektur arbeitet der Motor des AP noch einige Male nach). Ich sagte ihm, dass mir das auch aufgefallen sei, aber ich glaube, dass das normal ist, wenn man 10 Grad ändert, so korrigiert das Gerät halt öfter nach. Der Marinero kroch hinten hinein und meinte "there is a part inside broken", das passiert dann, wenn der Pilot arbeitet und man gewaltsam über das Rad lenken will. Nun kam ich noch etwas mehr zum Kochen, denn gerade das erkläre ich meiner Crew als erstes bei der Handhabung des Autopiloten - außerdem ist der Ruderdruck, der vom Ruder her durch die Wasserumströmung erzeugt werden kann, viel stärker als der Druck, den man über das Ruderrad mit menschlicher Kraft normalerweise erzielt.

Ich meldete noch, dass wir keinen Genaker, sondern einen SPI hatten, zeigte dem Marinero das Top (beschriftet mit "SPI-TOP") und die beiden Schothörner  (beschriftet jeweils mit "SPI-UL") und der Marinero sagte trotzdem, es sei ein "Genaker"; das Kochen ging weiter.

Weiters meldete ich, dass das Schiff kein Italienisches Permit hatte.

Forderungen unsererseits:
Rückverrechnung der EUR  90,00 für  den nichtvorhandenen SPI-Baum   ......    abgelehnt
Rückverrechnung der EUR  50,00 für  das nichtvorhandene Italien-Permit   ......    abgelehnt

Forderung des Vercharterers:
Der vorgegaukelte Defekt des Autopiloten konnte nach langer Diskussion abgewendet werden.
Das Checkin/out von "NOVA" kostet EUR  50,00, das hebt sich mit dem Italien-Permit auf.

Ich musste EUR 100,00 bezahlen. Auf meine Frage, diesen Betrag mit der Kreditkarte (Master-Gold-Card) zu bezahlen meinte der M., dass dann die Rechnung um 22% höher ausgestellt werden muss. Nun kochte ich über, hielt mich aber zurück, bezahlte bar, bekam meinen Kautions-Scheck und verließ das heiße Pflaster.

Für meinen Teil hat es mich heuer - vielleicht zufällig - ziemlich arg erwischt. Trotzdem glaube ich, dass durch das vermehrte kroatische Eignertum, von den Bootsbesitzern und deren Schergen der Versuch unternommen wird, alles zu tun, um extra Geld zu machen. Von den vermeintlichen "kroatischen Gastgebern" wird die Situation des Charterers schamlos ausgenützt - man fühlt sich in die Enge getrieben und wird fehleranfällig. Zu Beginn des Törns ist man in einer positiven Urlaubsstimmung und möchte so schnell und unkompliziert wie möglich das Hobby genießen, am Ende des Törns so schnell wie möglich den Kautionsscheck zurückbekommen und ohne Stress nach Hause fahren.

Es wird notwendig sein, diesem Übel großflächig den Kampf anzusagen (Clubs --> Verbände --> International).

Meine Konsequenz ist, nur mehr mit einer ausreichenden Kautionsversicherung zu chartern.

Nik