Gesucht: Segelbare Jacht!

 

Durch die derzeitigen Tendenzen im Jachttourismus entwickelt sich die Fahrt mit einem Segelboot leider in eine Richtung, die völlig konträr zu den ursprünglichen Ideen der sportlichen Fahrtensegelei ist. Segeln in der Nacht, Auslaufen bei 6 oder 7 Beaufort, setzen von symmetrischen Spinnakern sind Dinge, die dem Chartergast heute - wenn nicht schon per Vertrag verboten - so doch durch verschiedene Umstände praktisch unmöglich gemacht werden. Versuche, mit heutigen Standard-Charterjachten bei anspruchvollen Bedingungen sportlich zu segeln, führen rasch zu mannigfachen Schwierigkeiten, unter Umständen zu Schäden und kleinen Unfällen. Absurderweise führt dies gerade den Segler zu schlechtem Ruf, während der Jachttourist der willkommene und geschätzte Chartergast bleibt.

Dies führt auch dazu, daß es immer schwerer fällt, die Qualität der Ausbildung zu erhalten. Die heute weit verbreiteten Charter-Boote sind nicht segelbar, und Segeln wird vom Vercharterer in der Regel auch nicht mehr gewünscht. Die Boote sind für Badeurlaube auf dem Wasser gebaut und ausgerüstet, das Segeln ist - zum Teil lästige oder gar unerwünschte - Nebensache.

Um die Idee der sportlichen Fahrtensegelei weiter erhalten zu können, werden "segelbare" Jachten gebraucht, die auch vom Eigner/Vercharterer als "Segeljachten" geplant und ausgerüstet sind und entsprechend eingesetzt werden können.

 

Kleine Liste notwendiger, wünschenswerter und unerwünschter Ausrüstungsgegenstände und Eigenschaften von Segeljachten:

Notwendig:
Mindestens 2-fach, besser 3-fach reffbares Großsegel; keinesfalls eine Rolleinrichtung, welcher Art auch immer.
Separate Winschen für Fallen, Großschot, Genuaschot und Spi-Schot (oder geeignete Klemmvorrichtungen zum Umschlagen der Schoten).
Großschot und Genuaschot müssen gleichzeitig bedienbar sein; eine Mindestentfernung von ca. einem Meter zwischen den Winschen ist notwendig.
Genua- und Spi-Winschen dürfen nicht auf dem Deckshaus montiert sein.
Spi-Ausrüstung und Beschläge für symmetrische Spinnaker:
Symmetrischer Spinnaker,
Spi-Fall, Topnant,
Niederholer mit einem (besser zwei) Umlenkblöcken am Vorschiff,
Spi-Baum mit Beschlägen für Niederholer und Topnant an der Nock; Öffner an der mastseitigen Nock,
Spi-Schoten ohne Schäkel oder mit geeigneten Trimm-Schäkeln, mit Umlenkblöcken achtern.
Kompaß-Beleuchtung unabhängig von allen anderen Geräten bzw. Lichtern einschaltbar.
Rettungsinsel oder Rettungsfloß.

Wünschenswert:
Bedienung (Winschen) der Fallen am Mast.
Mastkorb.
Genua und Fock als separate Segel, ohne Rolleinrichtung.
Einrichtungen für doppelte Schotführung beim Spinnaker:
Jeweils Schot und Achterholer,
Holepunktbeschlag und Umlenkblock (Snatchblock) für Achterholer,

Achterholer und Schoten mit geeigneten Schäkeln
.
Jockeypole, falls keine Ausrüstung für doppelte Schotführung
Kompaßbeleuchtung mit Dimmer.
Handläufe im Salon.
Kojensegel bei Stockbetten.
Radar.
Baroscope.

Nicht notwendig und sogar unerwünscht:
GPS
Kartenplotter
CD-Player
Schlauchboot
Außenborder
Autopilot
3. und 4. WC, Waschbecken, Dusche
Bugstrahlruder.

Und gar nicht wollen wir
Bimini
Lazy Jacks
Fernseher und Fernsehantennen
Navigationsbildschirme im Cockpit
Navigation mit iPhone und iPad, SmartPhones und Tablets

 

Ein Appell an alle Segler: 
Bitte helfen Sie mit, für unsere Kinder und Jugendlichen einige segelbare Jachten in die Zukunft hinüberzuretten!

2000, bk