Bericht von Manfred Drapela

Der 2 Sommertörn des NCA – Nord

One-Way von Karaca Sögüt nach Marmaris

Crewfoto

Nach dem ersten, vom NCA-Nord organisierten Sommertörn in Dalmatien ging es 1999 in die Türkei.

In der Woche vom 7. bis 14. August segelten diesmal vier Boote unter NCA-Stander von Karaca-Sögüt rund um die Daca-Halbinsel nach Marmaris.

Auch die vor der Abreise dreimal geänderten Flugzeiten konnten nicht verhindern, daß sich alle 28 Teilnehmer pünktlich am Samstag in der kleinen Marina – eher ein Steg mit angrenzendem Wirtshaus – von Sögüt trafen und die Schiffe übernahmen. Sögut liegt in einer tiefen Bucht in der südöstlichen Ecke der Bucht von Gökova

(36°56,6´N, 28°11,3´E).

Die Schiffsübernahme funktionierte ausgezeichnet und proffesionell, wie wir das bereits im Vorjahr bei Ecker-Yachting kennengelernt haben. Alle Schiffe waren in einem guten Zustand, sodaß die Übernahme rasch von der Hand ging und die einzelnen Crews dann bei 35° im Schatten den restlichen Samstag ausgiebig mit Baden verbrachten. Einzig Hans Schenk, der mit seiner Crew erst in der Nacht von Samstag auf Sonntag aus Graz eintraf konnte sein Boot erst am nächsten Morgen übernehmen.

Am Sonntag gings dann um 1100 los. Pünktlich hieß es zuerst auf der Hookipa, einer GibSea442 unter Günther Riedel Leinen los, danach folgte die Archi Six, eine Feeling 1090 unter Heinz Udel und die Acapulco (Feeling 416) mit Manfred Drapela. Den Abschluß machte Hans Schenk mit der Incognito, einer Feeling 486.

Nachdem bei fast Windstille die ersten Manöver geübt, die Crews eingewiesen und die Schiffe nun fest in der Hand lagen, gings unter Motor Richtung Bodrum. Bereits nach einer Stunde legte der Westwind immer mehr zu, sodaß die Segel gesetzt wurden und bei 4 Windstärken und fast glatter See ein traumhafter Kreuzkurs gesegelt werden konnte. Der Melthemi legte dann noch bis auf knapp sieben Windstärken zu, brach jedoch erwartungsgemäß bei Sonnenuntergang völlig zusammen, sodaß das letzte Stück bis Bodrum wieder motort werden mußte. Zwische 2100 und 2200 liefen alle vier Schiffe nach einem heißen, schönen Segeltag in der Marina Bodrum ein. Daß Hans Schenk die ganze Marina um Eiswürfel erleichterte, lag nicht an der brütenden Hitze über der Stadt. Vielmehr hat sich kurz nach dem Auslaufen aus Sögüt der Kompressor seines Kühlschrankes verabschiedet und nur mehr Rauch erzeugt.

Am nächsten Tag gings an Kos vorbei Richtung Knidos.

Zwischen 1130 und 1200 legten alle Schiffe ab und bei einer leichten Briese gings aus der großen Bucht vor Knidos. Vorbei an riesigen Schiffen und einer vielzahl an Gullets – den altertümlich anmutenden Holzseglern der türkischen Küste raus aufs freie Wasser.

Schon bald darauf legte der Wind in der Düse zwischen Kos und dem türkischen Festland auf sechs bis sieben Windstärken zu. Gerefft gings dahin mit zum Teil acht Knoten Fahrt durchs Wasser. Während Archi Six, Incognito und Acapulco einen fast direkten Kurs wählten, legte die Hookipa ihren Kurs etwas westlicher unter Kos an und – war kurz darauf mit Fallböen von 9 bis 10 Bft. konfrontiert. Auf nichteinmal 2sm werden dort Kapeffekte spürbar, wie wir sie aus unserem Haus- und Hofrevier, der Adria nicht kennen. Doch so rasch und wild es beginnt, so schnell ist man wieder draußen und bereits ein paar Seemeilen weiter südlich mußte wieder einmal der Motor als Flautenschieber herhalten. Um 1700 waren dann alle in der Bucht von Knidos und versuchten, einen Platz zu finden, wo der Anker auch wirklich hält. Eigentlich hat das eher den Eindruck eines Übungstörns vermittelt, bei dem Ankern geübt werden soll. Egal, ob an dem kleinen Holzsteg vorm Gasthaus – der Ausdruck Molo ist dabei überzeichnet – an der west – oder an der ostseite der Bucht – überall dasselbe. Nach acht bis zehn Versuchen und zum Teil mit Zweitanker hats dann bei allen geklappt und es lag eine ruhige Nacht vor einer traumhaft schönen Kulisse vor uns. Ein ausgezeichnetes Abedessen in der einzigen Taverne der Bucht versöhnete die einen mit ihren ersten Sturmerfahrungen und die anderen für die unzähligen "unnötigen" Ankermanöver.

Am Dienstag besichtigten die einen die Ausgrabungen von Knidos, währen die anderen im traumhaft klaren Wasser der Bucht ihr Heil suchten. Mittlerweile stiegen die Temperaturen bereits an die 40° und darüber, sodaß die Abkühlung gut tat. Um die Mittagszeit gings dann Ankerhoch und ab richtung Daca, der Hauptstadt der Halbinsel, die von Marmaris aus in die Ägäis gen Westen herausragt. Ein wenig Segeln ohne wirkliche Höhepunkte und um 1600 lagen alle vor Buganker an der Mole von Daca. Der Ort ist ein beliebtes Ziel der Sunsail-Flotte. Sunsail bedeutet: Ein Führungsschiff lockt 15 bis 20 Schiffe mit Nichtseglern hinterher und gibt über Funk alle notwendigen Anweisungen. Von der Navigation bis zum festmachen der Leinen an der Mole. Das das einen Berg von Ankergeschirr übereinander bedeutet, weiß nur jemand, der zufällig knapp vor der Flotte anlegt und vor ihr wieder ablegen möchte. Wir wissens jetzt auch.

Daca bot uns darüber hinaus ein Kontrastprogramm zum Vorabend. Am Hafen liegt ein Lokal neben dem anderen, eine Disko löst die nächste ab und bis 2 Uhr früh war die Hölle los. Wir habens an Bord bei ein paar Flaschen Wein genossen und an Hans gedacht, der kurz nach 1700 wieder ausgelaufen ist. Er mußte am nächsten Morgen zeitig in der Früh ein vorbestelltes Taxi erwischen, welches ihn am Flughafen brachte. Während seine Crew einen Badetag eingelegt hat, ist Hans mit dem Flugzeug ins Landesinnere geflogen um einen idealen Punkt für die Beobachtung der Sonnenfinsternis zu finden.

Der Rest der Flotte legte am Mittwoch am späten Vormittag ab und wollte die Sonnenfinsternis irgendwo zwischen Simi, einer kleinen, zu Griechenland gehörenden Insel und Karaburun, dem südlichsten Punkt der Daca – Halbinsel erleben. Ziel war die Bucht Serce Liman. Die Einfahrt in diesen Naturhafen, der absoluten Schutz bietet, ist erst rund eine viertel Seemeile vorher sichtbar. Die knapp hundert Meter breite Einfahrt ist

an einem Felsabbruch in den Steilwänden zu erkennen. Hat man die Einfahrt hinter sich, öffnet sich eine breite Bucht nach Westen und Osten. Die Bucht ist von nur einem Fischer bewohnt, der mit seinem Boot sofort beim Einlaufen zur Stelle ist und einen Bojenplatz – da gibt es Moorings, wer hätte das gedacht – zuweist. Nebstbei wird ein Termin fürs Abendessen vereinbart. Gesagt getan, wir verbringen einen romantischen Abend mit Kerzenlicht unter freien Himmel und werden aufs beste bewirtet.

Gegen 1100 gehen wir wieder auf unsere Schiffe und bereiten alles für eine Nachtfahrt nach Ekincik Limani vor.

Bei leichtem Wind bestenfalls 2 Bft. legen wir ab und segeln vorerst Kurs auf Rhodos Stadt. Danach geht’s mit Kurs 55 Richtung Kaunus und unserer Bucht. Wenn auch wenig spektakulär, so war diese Nachtfahrt ein wunderschönes Erlebnis, das um 0700 mit Ankerfallen in einer traumhaften Bucht vor dem Lokal My Marina endet.

Nun ein paar Stunden Schlaf und dann ein Ausflug in den Kaunus. Der Kaunus ist eine seit Jahrhunderten versandete Bucht und beherbergte früher einen der wichtigsten Handelshäfen der Antike. Fischerboote bringen uns – mittlerweile ist Hans wieder zu uns gestoßen – über den Fluß Dalyan zu den antiken Stätten. Und unser Führer, Akiff, meints gut mit uns. Nicht nur, daß er uns alles bis ins kleinste Detail erklärt – er verschafft uns allen noch als Draufgabe eine Klettertour zur Ruine, von der man über das gesamte Tal einen herrlichen Ausblick hat.

Danach winken wir ab und fahren zurück in unsere Bucht. Für den Abend haben wir Tische im My Marina reserviert. Hier wollen wir als letzte Station vor Bodrum einen gemeinsamen Abend und einen schönen, erholsamen Sommertörn feiern. Gesagt, getan – es hat sich wieder einmal gelohnt. Das My Marina ist zwar teuer. Aber es hat auch was zu bieten, war die einhellige Meinung. Ab diesem Tag gibt’s hier übrigens nun auch den NCA-Stander zu bewundern.

Am nächsten Tag gings dann bei wenig Wind Richtung Marmaris, wo wir gegen 1600 anlegten, uns landfein machten um danach im Bazar und den unzähligen Geschäften und Lokalen unterzutauchen und noch ein wenig Flair des türkischen High Lives einzuatmen, bevors am Samstag wieder mit dem Flugzeug nach Hause geht.